071 664 11 77

Fehr Baubetreuung AG

Immo-Blog - rund um Immobilien kaufen und verkaufen

Schweizer Wohnungsmarkt Entspannung?

Veröffentlicht am Juni 28, 2016 von Beat Fehr in Allgemein

Schweizer Wohnungsmarkt entspannt sich – aber längst nicht überall

von Michael Schäfer
Die Zuwanderung in die Schweiz hat nachgelassen. Dies hat zu einer Entspannung am Schweizer Wohnungsmarkt beigetragen. Vielerorts ist die Knappheit aber noch gross.

Ausländische Haushalte machen etwa die Hälfte des gesamten Haushaltswachstums in der Schweiz aus. Entsprechend gross ist der Einfluss, den die Zuwanderung auf den hiesigen Wohnungsmarkt ausübt. Nicht zuletzt aufgrund einer jahrelangen starken Zuwanderung hatte sich dieser 2014 in einer stark angespannten Verfassung befunden, und das, sowohl was den Mietwohnungsmarkt als auch was den Markt für Wohneigentum angeht. Seither hat sich die Situation laut einer Studie des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) vielerorts verbessert, in einigen Bereichen halten sich die Ungleichgewichte jedoch hartnäckig.

Gesuchte günstige Wohnungen

Schweizweit hatte der Indikator für eine Anspannung am Wohnungsmarkt 2014 mit –3,4 Punkten nicht weit vom Minimum von –5 Punkten («äusserste Knappheit») gelegen. Im vergangenen Jahr verbesserte sich der Wert deutlich auf –1,7. Dies führt das BWO auf eine hohe Bautätigkeit zurück, die mit dem Zuwachs bei den Haushalten Schritt hielt. Zwar war eine Entspannung gemessen an der Insertionsdauer von Wohnungen flächendeckend zu verzeichnen, in ihrer Stärke fiel sie allerdings sehr unterschiedlich aus.

Am wenigsten hat sich die Lage in der Region Zürich und in der Zentralschweiz verbessert, wo insgesamt mit –3,2 und –3,3 noch immer eine hohe Knappheit herrscht. Demgegenüber milderte sich die Situation am Genfersee und im Mittelland spürbar auf –1,1 bzw. –2,0 ab. 2014 hatten die beiden Regionen quasi noch gleichauf mit Zürich und der Zentralschweiz gelegen. Die Region zwischen Bern und Thun bezeichnet das BWO als neuen «Brandherd», es geht jedoch davon aus, dass dieser aufgrund eines schwächeren Zustroms an Haushalten weniger hartnäckig sein wird. Vergleichsweise komfortabel ist die Situation dagegen im Tessin mit einem Wert von 2,6 (bei 5 Punkten würde man von einem massiven Überangebot sprechen), wo man inzwischen von einem ausreichenden Wohnungsangebot ausgehen kann.

Dass in der Einschätzung des BWO noch keine Entwarnung gegeben werden kann, liegt jedoch nicht nur an der regionalen Perspektive, sondern auch an der Frage, bei welchen Immobilien die Entspannung stattfand. Vor allem bei den Mietwohnungen hat sich diese bisher nämlich in erster Linie im oberen Preissegment abgespielt. Obwohl sich die Bauaktivitäten in der Schweiz seit geraumer Zeit verstärkt auf den Mietwohnungsmarkt fokussieren, hält die Knappheit im unteren Preissegment auf einem hohen Niveau an. Eine Ausnahme bilden lediglich die Ostschweiz und das Tessin, wo das Angebot in allen Segmenten ausreichend gross ist.

Weitere Beruhigung absehbar

Die in den meisten Regionen gestiegene Divergenz zwischen der Verfügbarkeit von günstigen auf der einen und teuren Wohnungen auf der anderen Seite wertet das BWO als typisches Zeichen eines sich dem Gleichgewicht nähernden Markts. Allerdings äussert es Bedenken, dass in den Regionen Zürich, Zentralschweiz und Genfersee der Bau neuer, in der Regel vergleichsweise teurer Wohnungen ausreichen wird, um die Defizite bei den günstigen Angeboten zu beseitigen.
Beim Wohneigentum sieht das BWO mit Ausnahme des Tessins und der Westschweiz noch alle Regionen weit von einem Gleichgewicht entfernt. Dies, obwohl sich die Situation hier stärker entspannt hat als im Mietwohnungsmarkt. Allerdings hat sie sich auch hier vorwiegend im oberen Preissegment abgespielt, während im unteren die Nachfrage unverändert hoch ist.

Für das laufende Jahr rechnet das BWO mit einer Fortsetzung der Beruhigung. Ein in den ersten vier Monaten um einen Drittel gesunkener Wanderungssaldo aus dem EU/Efta-Raum deute auf eine schwächere Nachfrage der ausländischen Haushalte auf dem Wohnungsmarkt hin. Die Bautätigkeit verharre aber auf dem Niveau von 2015, so dass das zusätzliche Angebot das Nachfragewachstum übertreffen werde. Einen Blick über 2016 hinaus wagt das BWO nicht. Allein die Unsicherheiten bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative liessen dies nicht zu.